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Bitte lächeln!

Durch ihre Tätigkeit bleiben Fotografinnen und Fotografen oft im Hintergrund. Manchmal kann man sie durch einen Schatten erahnen, manchmal schafft es ein verschwommener Finger auf das Foto. Aber hin und wieder dreht sich die Perspektive doch und sie werden sichtbar.

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© Volkskundemuseum Wien

Auf diesen drei Einzelfotografien ist der Prozess des Fotografierens deutlich erkennbar. In jedem Bild der Gruppe fehlt eine andere Person – haben sie sich beim Fotografieren vielleicht abgewechselt und umgesetzt?

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Wer konnte sich Fotos leisten?

Wir werden immer wieder darauf angesprochen, wie viel denn wirklich fotografiert wurde und welche Personen sich diesen Luxus leisten konnten.
Die Antwort darauf: mehr als man vielleicht vermuten würde.
Der Fotohistoriker Timm Starl stellt zu dieser Thematik fest: „Erst ab den beginnenden 30er Jahren trifft die Behauptung zu, jeder beziehungsweise beinahe jeder könne sich eine Kamera leisten.“[1]

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© Volkskundemuseum Wien

Denn nach dem ersten Weltkrieg brachten viele Hersteller billige Fotoapparate auf den Markt. So war ab 1931 zum Beispiel die Agfa Box in einer Aktion um 4 RM (Reichsmark) bzw. um 10 Schilling zu erwerben. Dadurch war sie für deutsche Arbeiter bzw. für Angestellte mit einem Durchschnittseinkommen von 50 RM gut leistbar und wurde bis 1933 über eine Million Mal verkauft.[2] Natürlich gab es auch kostspieligere Modelle zu erwerben. Die Kamera im oberen Bild, das Modell Presto der Firma Wirgin war deutlich teurer und kostete ca. 40 RM.[3]

So stieg die Zahl der Kamerabesitzer ab Mitte der 1920er Jahre spürbar an. Im Jahr 1939 besaßen schließlich rund 10 Prozent der deutschen Bevölkerung eine Kamera.[4] Für Österreich gibt es hier leider keine entsprechenden Zahlen – wir würden aber vermutet, dass die Situation vergleichbar war.

[1] Timm Starl, Knipser. Die Bildgeschichte der privaten Fotografie in Deutschland und Österreich von 1880 bis 1980 (München/Berlin 1995) 98.

[2] Wolfgang Pensold, Eva Tamara Asboth, Otmar Moritsch, Es werde Bild! Geschichte der Fotokamera (Wien 2014) 105.

[3] Mike Eckman, Wirgin Presto (1935). In: Mike EckmanDotCom, hg. von Mike Eckman, online unter <http://www.mikeeckman.com/2016/07/wirgin-auta-1935/ > (20.12.2018)

[4] Timm Starl, Knipser. Die Bildgeschichte der privaten Fotografie in Deutschland und Österreich von 1880 bis 1980 (München/Berlin 1995) 95-98.

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Wer fotografiert was?

Auf dem Weg zurück aus Prag. der Zug ist voll, neben mir sitzt ein junger chinesischer Tourist, einen Sitz schräg hinter ihm seine Freundin oder Frau. Sie fotografieren sich gegenseitig, mal mit dem eigenen, mal mit dem Telefon des/r anderen. Und dann schaut er seine Bilder bei Instagram an, und ich sehe: Er auf der Karlsbrücke, sie auf der Karlsbrücke, eine Tasse Kaffee, ein Selfie am Ufer und, ja, er im Zug, sie im Zug. Und denke: Mit der digitalen und vor allem der mobilen Fotografie verändert sich die Zirkulationsgeschwindigkeit der Bilder, und es verändert sich, wer sie sieht. Während bei analogen Fotografien zwischen Aufnahme und Ausentwicklung (dh Sichtbarwerdung) eines Bildes leicht Wochen vergehen können; während diese Bilder dann leicht für Jahre in einem Schuhkarton verschwinden können; während ein Album für Jahrzehnte unbeachtet in einem Schrank stehen kann, können die Bilder bei Instagram, Imgur, Facebook, Flickr und anderen Plattformen mit nur geringer Zeitverzögerung sichtbar werden. Und sichtbar werden heißt dabei, dass es weniger um ein zeigen als um ein präsentieren geht: Wer seine oder ihre Bilder hochlädt, stellt sie zur Verfügung. Der Vorgang der Betrachtung kann dabei nur beschränkt kontrolliert werden – man kann sich aussuchen, für welche Gruppe die Bilder zugänglich sind, aber man ist bei der Betrachtung der Bilder nicht präsent. Das kann zwar auch bei Alben passieren, wenn etwa die Fotografin oder Albenproduzentin tot ist oder neugierige Gäste ohne Fragen ein Album durchblättern. Aber die Regel ist das meines Wissens nicht.

Diese veränderte Sichtbarkeit der Bilder, oder genauer: die Veränderungen im Verhältnis ihrer Aufnahme und ihrer Betrachtung durch andere verändert, so vermute ich, auch die Bilder selbst. Fraglos gibt es Motivstandardisierungen auch schon in der analogen Fotografie – Gruppenbilder, der Besuch am Schiefen Turm, Weihnachten … die Bilder davon fallen nur zu oft sehr ähnlich aus (und über die Frage, warum Menschen vor allem auf Reisen Bilder machen und gemacht haben, die sie ein paar Schritte weiter als Postkarten hätten kaufen können, werd ich an anderer Stelle nachdenken). Aber mit der digitalen, mobilen Fotografie und der Speicherung ihrer Bilder in Medien mit einer schwer kontrollierbaren Zugänglichkeit werden die Möglichkeiten des Vergleichs intensiver. Unter den Bedingungen eines massenhaften Konsums massenhaft hergestellter Waren ist diese private Fotografie eine wichtige, vielleicht die wichtigste Möglichkeit, Differenz und Konformität gleichzeitig und immer wieder neu zu verhandeln.

Nebenher – was für die digitale Fotografie gilt, gilt in Maßen auch für diesen Text – ich schreibe ihn noch im Zug sitzend, und ich kann nicht kontrollieren, wer ihn wann liest. Aber wenigstens letzteres ist ja nicht ganz unähnlich der Publikation eines Buches oder Aufsatzes, oder einer Radiosendung.

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In privaten Alben finden sich Fotografien aus unterschiedlichen Quellen: Bilder wurden auf vielfältige Weise in der Bekanntschaft verbreitet oder erworben. Negative und entwickelte Fotos wurden untereinander getauscht, verschenkt oder als Postkarte verschickt – In manchen Familien gab es nie eine Kamera, trotzdem haben sie ganze Alben mit zusammengesammelten Fotos gefüllt.

Ergänzt wurden die Fotos in den Alben dann durch Kauffotos, die an Urlaubsorten erworben werden konnten, und andere Dinge wie Zeitungsausschnitte, Landkarten…

Im unteren Album wurden so neben den Fotos des Abends noch die Eintrittskarten, Konfetti vom Ball, getrocknete Blumen und ein Stück Stoff des Abendkleides eingeklebt.

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Schiefe Bilder

Es gibt diese Alben, die sind so zwanghaft rechtwinkelig, dass man dem Buchhalter bei der Arbeit zuzusehen meint und unwillkürlich unten auf der Seite nach einem Strich und der Summe darunter sucht: Das war der Urlaub in Jugoslawien – erledigt! Und dann werden zwei Bilder gegen einander verkantet und schief eingeklebt. Nicht, dass man sich einer lotterhaften Unordnung hingeben würde, nein: Die Speigelsymmetrie wird in jedem Fall gewahrt, und gar nicht selten sticht ihn oder sie der Hafer auch nur ein einziges Mal auf 20 oder 30 Seiten, und meist bleibt vollkommen unklar, warum nun gerade diese drei oder fünf Bilder in dieser Weise eingeklebt werden und nicht die eine Seite früher oder eine danach: Die Art der Anordnung verändert die Erzählung nicht, sie hat nichts mit dem zu tun was die Bilder zeigen, auch die Kamera wurde meist nicht schief gehalten … es ist ein bisschen wie beim Karneval, wenn der Chef an einem Tag im Jahr zu seinem mausgrauen Anzug ein buntes Hütchen schief auf dem Kopf hat. Und am Tag danach ist alles wieder wie auf der Seite davor.